Ein Blick in die Werkzeugkiste des Freilandbiologen


Roland Kaiser & Albin Blaschka
für die Salzburger Botanische Arbeitsgemeinschaft (SaBotAG - http://www.hausdernatur.at/sabotag.html)

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Werkzeuge wozu?

Bunt ist jede Theorie

Jede Tätigkeit am Computer, egal ob das Schreiben einer Arbeit, das Bearbeiten von Bildern, das Anhören eines Musikstücks, beinhaltet die Manipulation von Dateien. Um das möglich zu machen, müssen die bearbeiteten Informationen eine für den Computer verständliche Form haben - ein bestimmtes Datei format. Dieses definiert wie die Daten die physische Speicherung der Daten im Computer, im Gegensatz zu den Daten formaten, die die logische Struktur beschreiben.

Eine grundlegende Unterscheidung ist die nach Text- oder Binärformat: Ein Textformat liegt vor, wenn die abgespeicherten Daten linear und ohne weitere Codierung auf die Festplatte gespeichert werden. Zum Betrachten und Bearbeiten reicht ein einfacher Texteditor.
Ein binäres Format im Gegensatz dazu enthält Zeichen, die einen beliebigen Binärwert darstellen können. Um also für den Menschen nutzbar zu sein, ist auf jeden Fall das dafür geschaffene Computerprogramm notwendig. Ein Beispiel sind die allseits bekannten Büroprogramme wie MS Word oder Excel.

Datenformate, allgemein

Beide Formate (also sowohl Text- wie auch Binärformate) können eine innere Struktur besitzen und damit logische Strukturen, also Datenformate abbilden. Grundlegende Datenformate bzw. Strukturen sind:

Komplexere Strukturen werden durch Verknüpfungen zwischen solchen einfachen Datenformaten abgebildet. Datenstrukturen bilden Objekte der Realität ab, über die Verknüpfungen werden Wechselbeziehungen dargestellt (z. B. Vegetationsaufnahme ⇒ Pflanzengemeinschaft an einem Standort ⇒ Vegetationskartierung).

CSV-Format

Das CSV-Format (“Comma separated values”, entsprechend dem englischen Original “Komma - separierte Werte” - Dateierweiterung meist .csv) ist eines der einfachsten textbasierten und ältesten und dadurch ein (immer noch) weit verbreitetes Daten-Format, trotz oder auch wegen seiner Einfachheit.

Das CSV-Format bildet von der Struktur gesehen her Tabellen ab. Die Spalten werden durch ein Trennzeichen gekennzeichnet, die Zeilen einfach durch einen Zeilenvorschub. Das ursprüngliche Trennzeichen ist, wie im Namen steht, das “Komma”. Jedoch das, was im englischsprachigen Raum als Komma bezeichnet wird, ist bei uns der Beistrich, denn für den Dezimaltrenner wird dort der Punkt verwendet. Dieser Sachverhalt führt im “Nicht-Angelsächsischem Sprachraum” oft zu Problemen.
Im deutschsprachigen Raum (aber nicht nur dort…) ist das Komma der Dezimaltrenner, was bei Zahlenkolonnen das Format zerstört, weil nicht mehr reproduzierbar ist, was ist Dezimaltrenner, was Datensatz-Trenner. Hier wird als Datensatztrenner daher meist der Strichpunkt (;) verwendet. Hin und wieder werden auch andere Zeichen als Trenner verwendet, um sicherzustellen, dass dieses Trennzeichen nicht in den eigentlichen Daten vorkommt. Beispiele dafür sind | (“Pipe” bzw. senkrechter Strich, auf der Tastatur meist gemeinsam mit den Größer/Kleiner-Zeichen zu finden) oder @, der Klammeraffe, wie er von E-Mail-Adressen bekannt ist. Der Tabulator findet sich auch als öfters Trennzeichen, dieses Format wird dann mit einen eigenen Namen bedacht, als “Tab-separierte Datei”, das Prinzip ist aber das selbe und alles hier gesagte gilt ebenso.
Die Unterscheidung von Zahlen und reinem Text erfolgt wie anderswo auch im CSV-Format konventionsgemäß durch Anführungszeichen, Text kann zusätzlich zum Trenner in doppelte Anführungszeichen eingeschlossen werden. Diese Unterscheidung ist allerdings schwach, oft werden Daten im CSV-Format von unterschiedlicher Software grundsätzlich als Text betrachtet, was ebenfalls ein Handicap darstellen kann. Die erste Zeile kann für Spaltennamen gebraucht werden, die ebenfalls durch den in der restlichen Datei verwendeten Datensatztrenner voneinander abgegrenzt werden.

Durch seine Einfachheit kann das Datenformat nicht ohne Zusatzinformationen (Metadaten) vollständig abgeleitet werden. Es zeigt uns jedoch, was ein minimales Datenformat auszeichnet und auf jeden Fall aufweisen muss: Wir haben Informationseinheiten, die klar, einfach und eindeutig voneinander getrennt werden. Es kann damit einfache Daten in Tabellenform effizient strukturieren, die flexibel verwendet werden können und besitzt damit eine zentrale Rolle in unserer “Werkzeugkiste”. Sind einem die Einschränkungen bewusst, hat man ein flexibles, einfach zu handhabendes und in vielen Bereichen einsetzbares Datenformat zur Hand, nicht zuletzt weil es sich im eigentlichen Sinne um eine simple Text-Datei handelt und so von vielen Programmen “verstanden” wird.

Ein einfaches Beispiel für Daten im CSV-Format:

GRIDCELL,GRID,CELL
8144-3,8144,3

Darstellung von geographischen Koordinaten

Ein Datentyp, der bei der Freilandarbeit (und nicht nur dort) immer wieder auftaucht und eine zentrale Rolle einnimmt, sind geographische Koordinaten. Durch ihre umfassende Bedeutung, haben sich im Laufe der Zeit viele unterschiedliche Varianten für ihre Darstellung entwickelt. Jede dieser Varianten kommt aus einem speziellen Umfeld und Zeit.

Geographische Koordinaten kommen aber nicht nur als geographische Koordinaten (also Grad, Minuten, Sekunden) daher, sondern auch in einer Unzahl an sogenannten “projezierten” oder karthesischen Koordinaten. Eine Konvertierung zwischen Formaten und Typen von Koordinaten ist eine Wissenschaft für sich, scheint es manchmal. Hilfreich sind hier Online-Konverter wie z. B.

Es beherrschen nicht alle Konverter alle existierenden Koordinatensysteme und sie unterscheidnen sich in Benutzfreundlichkeit und weiterer Features, wie z. B. die Möglichkeit ein Textfile mit mehreren/vielen Koordinaten hochzuladen und auf einmal zu konvertieren. Die Online-Suchmaschine der Wahl hilft hier…

Häufige Darstellungsformen von geographischen Koordinaten

Grad-Zeichen

Minuten-Zeichen

Sekunden-Zeichen

Heute, mit dem Schwergewicht der Verarbeitung aller möglichen Daten mit Computern empfiehlt sich folgende Darstellung: 13.03933,47.80189 - Damit können unterschiedliche Programme und Geräte am effizientesten umgehen.

Spezialisierte Datenformate

Viele der Daten, die bei der Freilandarbeit anfallen haben logischerweise einen räumlichen Bezug. Wir konzentrieren uns daher in den weiteren Ausführungen mit spezialisierten Datenformaten, die mit räumlichen Objekten zu tun haben. Letztendlich können alle Objekte der Realität auf drei Grundformen reduziert werden, die somit die Basis für die Datenformate mit geographischen Bezug bilden.
Diese drei Grundformen sind

WKT - Format
Das WKT-Format (“Well-Known-Text”) ist ein, wie der Bezeichnung entnommen werden kann, textbasiertes Format, um geographische, also räumliche Objekte abzubilden bzw. darzustellen. Dieses Format ist offiziell standardisiert ( http://docs.opengeospatial.org/is/12-063r5/12-063r5.html ) und dient vielen Datenbanken als Basis für die Speicherung solcher Daten. Die Struktur schaut auf den ersten Blick vielleicht etwas kompliziert aus, folgt aber grundsätzlichen Regeln. Eigene Daten werden selten direkt bzw. von Hand in diesem Format angelegt, es ist vornehmlich als Austauschformat zwischen unterschiedlichen Programmen nützlich.

Beispiele für Daten im WKT-Format:

wkt_geom COMMENT Point (13.03930 47.80189) Haus der Natur, Österreich

wkt_geom GRIDCELL GRID CELL Polygon ((13.00000 47.85000, 13.08333 47.85000, 13.08333 47.79999, 13 47.79999, 13 47.85000)) 8144-3 8144 3

XML - Format
XML steht für “eXtensible Markup Language”. Das Prinzip steckt in dieser Bezeichnung: “Markup”, also Auszeichnung. Das Prinzip ist einfach: Durch spezielle Textbausteine, sogenannte Tags, die in spitze Klammern gesetzt stehen, wird den Daten Struktur verliehen. XML definiert jetzt nicht selbst Auszeichnungselemente, es stellt die Syntax und Grammatik für die Schaffung solcher Auszeichnungselemente zur Verfügung. XML-Dokumente sind sowohl für Menschen wie auch Computer lesbar. Sie sind rein textbasiert und bilden grundsätzliche eine hierarchische (baumartige) Datenstruktur.
Zusammengefasst und sehr stark vereinfacht sieht diese “XML-Grammatik” wie folgt aus: Ein Tag ist in spitze Klammern einzuschließen (< >) und kann Parameter aufnehmen. Jeder Tag muss abgeschlossen werden, indem er mit vorangestelltem Schrägstrich wiederholt wird ( ). Tags können ineinander verschachtelt werden ( ) und so sehr gut Hierarchien abbilden.
Bleibt man bei einer Hierarchie-Ebene hat man vom Prinzip her eine Liste, gibt es zwei Ebenen, wird eine Tabelle abgebildet: 1. Ebene: Zeilen, zweite Ebene: Spalten. Die Spezifikation der Tags der 2. Ebene, also Anzahl und Datentyp, muss dann bei allen Elementen der ersten Hierarchie-Ebene logischerweise gleich sein, um dem Muster einer Tabelle zu entsprechen.

Die Tags besitzen also erstens die Aufgabe Datensätze von einander zu trennen und können über die Parameter diese Daten näher zu spezifizieren. Es kann hier somit eine höhere “Daten- bzw. Formatreue” als das CSV-Format garantiert werden, da die Tags und die Parameter auch Metainformationen liefern können. Allerdings steigen damit die Anforderungen an die verarbeitende Software.

Es können die unterschiedlichsten Daten im XML-Format abgelegt werden - Für uns sind zwei solcher XML-Formate interessant, die für geographische Daten geschaffen wurden: GPX (GPS Exchange Format) und KML (Keyhole Markup Language). Hier nachfolgend ein Beispiel von einfachen GPX-Daten, die einen (Weg-)Punkt auf der Erdoberfläche beschreiben:

<?xml version="1.0"?>
<gpx version="1.1" creator="GDAL 1.11.3"    xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance"
    xmlns:ogr="http://osgeo.org/gdal"   xmlns="http://www.topografix.com/GPX/1/1"
    xsi:schemaLocation="http://www.topografix.com/GPX/1/1 http://www.topografix.com/GPX/1/1/gpx.xsd">

    <metadata><bounds minlat="47.80189" minlon="13.03933" maxlat="47.80189" maxlon="13.03933"/></metadata>

    <wpt lat="47.80189" lon="13.03933">
        <name>Haus der Natur, Österreich</name>
        <extensions>
            <ogr:COMMENT>Haus der Natur, Österreich</ogr:COMMENT>
        </extensions>
    </wpt>

</gpx>

Und hier der selbe Wegpunkt im KML-Format:

<?xml version="1.0" encoding="utf-8" ?>
<kml xmlns="http://www.opengis.net/kml/2.2">
    <Document id="root_doc">

        <Schema name="HdN" id="HdN">
            <SimpleField name="COMMENT" type="string"></SimpleField>
        </Schema>

        <Folder>
            <name>HdN</name>
            <Placemark>
                <SimpleData name="COMMENT">Haus der Natur, Österreich</SimpleData>
                <Point>

                    <coordinates>
                        13.03933,47.80189
                    </coordinates>

                </Point>
            </Placemark>
        </Folder>

    </Document>
</kml>

Der Übergang zwischen einem Textformat und binären Formaten ist manchmal sozusagen “fließend”: Es werden speziell XML-basierte Formate oftmals komprimiert, also “gezipt”. Damit sind sie grundsätzlich keine Textdateien mehr. Dies wird gemacht, um die Dateigröße bei der Speicherung und vor allem Übertragung zu optimieren, oder aber auch andere Dateitypen wie Bilder, also Dateien im z.B. jpeg-Format, in ein und der selben Datei mitzutransportieren. Ein Beispiel dazur sind die .kmz-Dateien, die komprimierte KML-Daten darstellen. Ähnlich arbeiten auch die neueren Formate der Microsoft Office - Programme, mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Binär-Formate

Kommen textbasierte Formate dem Menschen entgegen, sind Binärformate für Computer effizienter zu verarbeiten. Komplexe Datenformate und große Dateien können robuster und schneller von Software, die das Format kennt, verarbeitet werden. Zusammengefasst also - spezialisierte Formate benötigen spezialisierte Software, die verfügbar sein muss. Mit der Wahl für ein bestimmtes Format bindet man sich an bestimmte Software und Betriebssystem. Positiv zu vermerken ist jedoch, dass viele spezialisierte Formate offen gelgt werden, d.h. nicht mehr als Firmengemheimnisse betrachtet werden und so die Unterstützung von mehreren unterschiedlichen Programmen möglich ist, wenn auch manchmal mit Abstrichen. Als Beispiel sollen hier ebenfalls die neueren MS Office-Formate herhalten: Mit “Libre Office” ( https://de.libreoffice.org ) und auch anderen Programmen (z. B: “Open Office” - aus diesem ging das erstgenannte “Libre Office” hervor) können die Formate .docx, .xlsx und .pptx ebenso geöffnet und bearbeitet werden, beim Wechsel zwischen MS Office und den anderen Programmen kommt es aber immer wieder zu Fehlern und Problemen, speziell was Format bei der Textverarbeitung (Schriftart, Seitenumbruch…) oder Formeln bei der Tabellenkalkulation anbelangt.

Nachfolgend werden uns mit ausgewählten Binärformaten beschäftigen:

MS-Office - Dateiformat
Die am wahrscheinlich weitest verbreiteten Dateiformate sind die bereits erwähnten der Firma Microsoft: Für Textverarbeitung das MS Word - Format mit der Dateiendung .doc, für Tabellenkalkulation das MS Excel - Format mit der Endung .xls und für Präsentationen das MS Powerpoint - Format mit der Endung .ppt. Jedes dieser Formate ist grundsätzlich ein Binärformat und existiert in den unterschiedlichsten Unterversionen, die die Entwicklung dieser Programme widerspiegeln.

Mit der Version aus dem Jahr 2007 wurde ein neues Format vorgestellt, das über internationale Organisationen auch offengelegt und zum Standard erklärt wurde, mit dem Namen “Office Open XML” (nicht zu verwechseln mit der “Open Office” - Programmsuite). Die Dateiendungen bekamen zur Unterscheidungen alle ein “x” angehängt, also .docx für Textverarbeitung, .xlsx für Tabellenkalkulation usw. Es handelt sich hier grundsätzlich ebenfalls um ein Binärformat, der jeweilige Textteil ist aber ein Dokument, der über XML und damit ein Textformat definiert ist. Dieser Textteil wird gemeinsam mit Formatbeschreibungen, eingefügten Bildern und Metainformationen in einer komprimierten Datei, die als Container fungiert, zusammengefasst und stellt nach außen hin eine einzige Datei dar. Diese Formate erzielen durch die offengelegte Spezifikationen eine höhere Kompatibilität zu Programmen anderer Hersteller, Probleme existieren jedoch weiterhin, diese werden aber im Laufe der Zeit und Entwicklung der anderen Programme immer kleiner.

ESRI Shape-File-Format
Die Firma ESRI war eine der ersten Software-Firmen, die ein für Desktop-PC taugliches GIS-System entwarf. Um mit der damaligen Leistung der PC den Anforderungen an geographische Daten und Analysen gerecht zu werden, war es auch notwendig, ein spezielles Datenformat zu entwerfen. Dies gelang sehr gut und weil die Firma zusätzlich später die Spezifikationen dazu offenlegte, ist dieses Format bis heute "das" Format für räumliche Daten im Vektorformat.
Das heißt, die räumlichen Objekte werden entweder als Punkt, Linie oder Polygon über die Koordinaten der Eckpunkte definiert. Im Gegensatz dazu stehen Rasterdaten, die wir hier jetzt nicht näher besprechen, wo alles aus einzelnen Pixeln besteht - das einfachste Beispiel sind hier Luftbilder bzw. Satelitenphotos.

Das Format erlaubt, neben den geographischen Objekten (Fundpunkt, Umriss eines Biotops...) auch sachliche Eigenschaften abzuspeichern. Dabei ist jedoch die größte Einschränkung zu beachten. Die Spaltennamen in der sogenannten Attributtabelle dürfen nicht länger als acht Zeichen (Buchstaben) lang sein. Moderne GIS-Programme akzeptieren längere Spaltennamen zwar manchmal, es werden aber nur die ersten acht Zeichen zur Unterscheidung verwendet. Hat man also zwei Spaltennamen, die sich erst ab dem neunten Buchstaben unterscheiden, wird dies zumindest zu Fehlermeldungen führen oder zu schwer reproduzierbaren Fehlern, die aber keine Meldung provozieren.

Das Dateiformat eines Shapefiles besteht aus mehreren Einzeldateien, die im Dateimanager des Betriebssystems auch einzeln sichtbar sind. Um ein "vollständiges" Shape-File zu haben, sind mindestens drei Dateien notwendig, und zwar die mit den Endungen .shp, .shx und .dbf.
Die Datei mit der Endung .shp speichert die eigentlichen ("graphischen") Daten ab, die .dbf - Datei die Attributdaten. Diese Dateien folgen einem etablierten Standard, dem dBase - Standard (daher die Erweiterung .dbf ). Es ist dies einerseits ein relativ schlichtes, aber doch leistungsfähiges Dateiformat, das mit vielen, auch aktuellen Programmen gelesen und geschrieben werden kann, z. B. auch Libre Office. Ältere Versionen von Microsoft Excel beherrschten das Format auch, inzwischen jedoch nicht mehr.
Die meisten GIS-Programme speichern noch zusätzliche Informationen in weiteren Dateien ab, die einer effzienteren und schnelleren Verarbeitung dienen, diese sind aber nicht verpflichtend. Die Dateiendungen dafür sind: .prj, .sbn, .sbx, .cpg, .fbn, .fbx, .ain, .aih, .ixs, .mxs, .atx und .shp.xml). Diese Struktur macht das Verarbeiten bzw. die Weitergabe der Daten oft schwierig und kompliziert, da alle diese Dateien sich immer im gleichen Verzeichnis befinden müssen und abgesehen von der Dateierweiterung immer gleich benannt sein müssen, ansonsten sind die Daten nicht zugänglich, bei Löschung einer der essentiellen Dateien sogar vollständig verloren. Unter Windows ist hier zu beachten, dass standardmäßig die Dateiendungen im Windows-Explorer (dem Dateimanager) ausgeblendet, also nicht angezeigt werden.

Direkte digitale Erfassung von Daten im Gelände

Mit den technischen Entwicklungen der letzten Jahre sind Papier und Bleistift nicht mehr die einzige Methode, die erfassten Daten festzuhalten, auch wenn sie nach wie vor unbestreitbare Vorteile haben (Einfachheit, Robustheit, Unabhängigkeit von Stromquellen…). Aber bereits ein Formular, dass man sich im Vorhinein am Computer erstellt und als Ausdruck mit ins Gelände nimmt, berührt fast alle hier genannten Inhalte - ein Formular definiert Datenformat und Methode der Datenaufnahme.

Elektronische Geräte bieten einerseits Erleichterungen bei der Datenaufnahme und bieten Möglichkeiten, die über einen Bleistift und Bestimmungsbuch hinausgehen.

Photoapparat

Ein Photoapparat ist das zentrale Gerät, um einen Fundort zu dokumentieren. Moderne Digitalkameras bieten dabei ein oft unbekanntes Feature oder nicht zugängliches Feature, dass nicht nur für das Photografieren selbst, sondern auch die umfassende Datenerfassung von Freilandarbeiten erleichtern kann: Die sogenannten Exif-Daten . Diese Abkürzung beschreibt einen Standard, wie Metadaten direkt in Bilddateien gespeichert werden können. Praktisch jede Digitalkamera speichert diese zusätzlichen Informationen zu der Aufnahme im Bild ab, auch die Kameraapplikationen der meisten Smartphones erstellen Bilder mit Exif-Daten. Neben Erstellungsdatum und Angaben zu Belichtungszeit und Blende gehören bei einigen Kameras und mehr oder wenigen allen Smartphones und Tabletts auch die geographischen Koordinaten der Position des Gerätes dazu und dazu auch die Blickrichtung, also in welche Richtung das Photo aufgenommen wurde.
Diese Daten können über entsprechende Tools extrahiert und weiterverwendet/ verarbeitet werden. Ein frei verfügbares Werkzeug, das mit geringem Aufwand verwendet werden kann, sind die sogenannten ExifTools ( http://www.sno.phy.queensu.ca/~phil/exiftool/ ). Diese Tools sind ein Kommandozeilen-Werkzeug (dazu später mehr), es gibt aber auch für das Betriebssystem Windows eine grafische Oberfläche dazu - ExifTools-GUI ( http://u88.n24.queensu.ca/~bogdan/ - die Abkürzung “GUI” steht für “Graphical User Interface”, also grafische Benutzeroberfläche). Mit diesen Werkzeugen lassen sich die Exif-Daten nicht nur auslesen, sondern auch editieren. Es können also z. B. auch Bilder mit Geodaten, die von einem anderen Gerät kommen, versehen werden.

Exiftools unter Windows
Die ExifTools-GUI unter Windows

GPS-Gerät

Die Daten, die neuere Modelle von GPS-Geräten speziell der Firma Garmin aufnehmen, werden vom Gerät bereits im GPX-Format gespeichert - Umgekehrt können Daten in diesem Format am Desktop-Computer vorbereitet und auf das Gerät übertragen werden, am einfachsten über USB, analog wie ein Memory-Stick.

Ein GPS-Gerät

Auslesen der GPS-Daten am heimischen Rechner, im GPX-Format:

GPX-Daten auf einem Garmin GPS

Mobilgeräte - Smartphone, Tablett

Aktuelle Smartphones und noch mehr Tabletts vereinen viele Funktionen, die für die Datenerfassung während der Geländearbeit sehr nützlich sein können. GPS, Photos, Texteingabe, Internetzugang…

»Übergang« zum Computer

Die Datenerfassung im Gelände ist der erste Streich, die nächsten folgen sogleich - am heimischen Rechner geht es nun darum, diese “Ernte” aufzubereiten und effizient zu verwerten: Qualitätskontrolle, Analyse und Präsentieren. Teile dieser Tätigkeiten sind aber auch gleichzeitig auch die Vorbereitung für den nächsten Geländetermin… Wir beschäftigen uns also aber auch mit zusätzlicher, nachträglicher Erfassung bzw. Digitalisierung. Dazu gehört auch das Zusammenführen von Daten aus unterschiedlichen, anderen, fremden Quellen. Wurden Daten bereits im Gelände mit einem Smartphone oder Tablett erhoben, sind bei der Nutzung eines Online-Dienstes wie z. B. “Dropbox” oder von Google die Daten als solches mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits am heimischen Rechner verfügbar. Je nach verwendeten Apps sind jedoch noch Schritte zur Aufbereitung notwendig, neben der auf jeden Fall zu erfolgenden Qualitätskontrolle.

QGIS

Wie bereits angedeutet, drehen sich Daten, die in Rahmen von Freilanderhebungen gewonnen wurden, mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Örtlichkeit, die Lage, diese wird ein integraler Bestandteil der Daten sein. Das zentrale Werkzeug sind damit Programme und Verfahren, die sich mit dieser räumlichen Information beschäftigen, bzw. die reinen Sachinformationen mit diesen verknüpft und gemeinschaftlich analysiert. QGIS ist ein freies GIS (Geographisches Informationssystem), dass trotz seiner Leistungsfähigkeit einfach zu bedienen bleibt und fast alle genannten Anwendungsfälle sowohl bei der Vorbereitung einer Geländearbeit als auch bei der Nachbereitung und Präsentation abdeckt.

Es kann von der Website http://www.qgis.org/de/site/ inklusive umfangreicher Dokumentation heruntergeladen werden. (Installationsdatei: http://www.qgis.org/de/site/forusers/download.html; Dokumentation: http://www.qgis.org/de/docs/index.html ). Es gibt auch eine für Android-Geräte optimierte Version, die es ermöglicht direkt im Gelände umfangreiche Geodaten zu erheben. Weitere Informationen dazu können der dazugehörigne Webpage entnommen werden: http://www.opengis.ch/android-gis/qfield/

Plugins

Ein guter Teil der Leistungsfähigkeit von QGIS basiert auf der Möglichkeit unterschiedliche Module bzw. Plugins einzubinden. Diese Installation erfolgt direkt aus dem Programm heraus, einzig eine Internetverbindung ist notwendig (Menü »Erweiterungen« ⇒ »Erweiterungen verwalten und Installieren«). Dort ist auch eine Stichwortsuche möglich.

Plugin-Installer QGIS: Menu

Plugin-Installer QGIS

Folgende Plugins sehen wir uns im Folgenden etwas näher an:

QuickMapServices
Dieses Plugin (aktuell Version 0.15) bindet eine große Zahl von Kartendiensten ein, die als Hintergrund (“Basemap”) für eigene Daten nützlich sein können.
Nach der Installation des Plugins ist es noch notwendig, in den Einstellungen weitere Kartendienste zu aktivieren.
Das Plugin ist nach der Installation unter dem Menüpunkt »Web« zu finden:
QuickMapServices Menü

Aktivierung zusätzlicher Kartendienste im Unter-Menü »Setting«:
QuickMapServices Settings

Die Liste aller verfügbarer Kartendienste, markiert ist auch der Menüpunkt Settings, wo die zusätzlichen Dienste geladen werden können:
QuickMapServices Karten

Weitere wichtige Funktionalität

QGIS erlaubt, geladene Daten in jedes andere unterstütze Format zu konvertieren, in dem man einen Layer in der rechten Spalte einfach mit der rechten Maustaste anklickt und den Punkt »Speichern als…« auswählt. Für das Speichern im GPX-Format, also z. B. für das Übertragen auf ein GPS sieht das ungefähr dann so aus:

QGIS Speichern als...GPX
QGIS Speichern als...GPX

Texteditor

Die flexibelsten und meist auch am robustesten und damit problemlosesten einsetzbaren Formate sind, wie eingangs erwähnt, textbasierte Formate. Ein Grund dafür ist, dass man nicht an ein bestimmtes, spezialisiertes Programm fixiert ist, sondern jeder einfache Texteditor, der gewisse Anforderungen erfüllt, dafür geeignet ist. So ein Editor wird bei manchen Betriebssystemen von Haus aus mitinstalliert. Unterschiede gibt es damit dann nur mehr in der Benutzerfreundlichkeit.
Ein guter Texteditor ist auch bei weiterführenden Tätigkeiten wie der Erstellung einfacher Skripts für z. B. die Kommandozeile ein unverzichtbarer Begleiter.

Anforderung an einen guten Editor

Im Anschluß werden die Anforderungen an einen »guten« Editor aufgeführt, mit denen auch ein gutes Maß an Benutzerfreundlichkeit einhergeht.

Beispiele für gute Editoren für unterschiedliche Betriebssysteme

Kommandozeile

Die Kommandozeile spielt heutzutage speziell unter Windows kaum eine Rolle (mehr). In Zeiten von computer-Mäusen und grafischen Benutzeroberflächen scheint sie antiquiert, überholt. Hat man jedoch die erste Scheu abgelegt und die ersten Steigungen der Lernkurve überwunden, ist sie ein leistungsfähiges, ja mächtiges Werkzeug. Speziell wenn es darum geht, ein und die selbe Tätigkeit auf viele Dateien oder diese Tätigkeit immer wieder durchzuführen, kann die Kommandozeile viel Arbeit ersparen oder auch überhaupt erst möglich machen.
Solche Tätigkeiten sind zum Beispiel konvertieren von Dateien in ein anderes Dateiformat, Metadaten auszulesen oder zu schreiben (z. B. Exif-Daten aus Fotos).

Beispiele für solche Werkzeuge sind:

Datenquellen: Karten, Geodaten, Daten